Loading…
Du befindest dich hier: Home | Fashion

Fashion | 13.10.2020

Zwischen Tracht & Haute Couture

Die hochwertigen Wolltuche und Lodenstoffe der Leichtfried-Loden-Fabrik finden weltweit in Kollektionen international bekannter Modehäuser Verwendung. Ein Lokalaugenschein.

Bild 2010_ST_ST_Leichtfried-4#1.jpg
© Thomas Luef

Thronend inmitten von Grün und breiter, hügeliger Wiesenlandschaft in Möbersdorf, Zeltweg, sitzt ein breites, gelbes Gemäuer. Wie ein Blitz schlägt gleich zu Beginn ein Gedanke ein: steirisch verwurzelt. Es zeigt sich: Der erste Eindruck stimmt.  Denn was sich hinter den breiten, grünen Türen der geschichtstragenden Mauern verbirgt, fand seinen Ursprung genau hier. In Möbersdorf, am Mühlbach, im Jahre 1884 – nur um Welten kleiner: eine Lodenwalkerei. Über ein Jahrhundert später, im Jahr 2020, hat man nun die Enormität einer ganzen Fabrik vor Augen. Leichtfried Loden hat es weit gebracht. Der neueste Kopf hinter den Fasern, Josef Maximilian Leichtfried, trat 2013 in das Unternehmen ein. Seit 2018 überblickt er als fünfte Generation der Familie die inzwischen heiß begehrten Lodenstoffe.

„From fibre to fabric“. Die Produktion der Wollstoffe im Hause Leichtfried zeichnet sich vor allen Dingen durch eine Eigenschaft aus: ihren hohen Qualitätsanspruch. Ermöglicht wird dies mitunter durch die besondere, für die Lodenstoffe charakteristische Wolle – von australischen Merinoschafen stammend. „Das macht unsere Stoffe so interessant. Sie werden in vollstufiger Produktion hergestellt, also noch in unserer Fabrik von der Faser bis zum fertigen Tuch fabriziert. Das ist heute eher die Ausnahme. Sie sind sehr hochwertig.“ Ein einzelner Handgriff auf die Tuche der diesjährigen Kollektion genügt, um die hochwertige Qualität der Wolle zu bestätigen. „Zum einen ist sie besonders fein, zum anderen lässt sie sich besonders gut verfilzen. Das sind die Kriterien, die entscheidend für die Herstellung eines feinen, aber zugleich robusten Tuches sind. Das schließt sich ja nicht aus.“

 

Bild 2010_ST_ST_Leichtfried-5.jpg
© Thomas Luef

Vom Tuch zur Tracht. Was oftmals mit den Endprodukten assoziiert wird, ist aber etwas anderes. Loden fände nur in alpenländischen Bereichen Verwendung. „Aufgrund der Vielfalt an hergestellten Wollstoffen handelt es sich weniger um eine Lodenfabrik im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr um eine leistungsfähige, vollstufige Tuchfabrik.“ Tatsächlich wurde das Leichtfried-Portfolio in den letzten Jahren um viele bunte, modische Farben und leichte Tuch-Qualitäten erweitert und hat sich damit auch den Weg in die internationale Modewelt geebnet. „Loden muss eben nicht immer nur grün, braun, schwer und kratzig sein.“
Neben Tracht und Mode entwickelt sich vor allem der Bereich Objekt & Interior sehr gut, da sich die hochwertigen Wollstoffe von Leichtfried Loden aufgrund ihrer technischen Eigenschaften, wie die Schwerentflammbarkeit oder die Scheuerbeständigkeit, besonders gut für die Ausstattung von Privathäusern, Hotels, aber auch von gewerblichen Objekten eignen. Als bisher größtes Referenzprojekt konnte Ende 2019 das neue Raiffeisenkompetenzzentrum in Steyr, Oberösterreich, mit knapp 2.000 m Stoff aus dem Hause Leichtfried ausgestattet werden, unter anderem in Kiwigrün und Bordeauxrot.

Ein Blick in die Zukunft zeigt, Leichtfried Loden will sich künftig einen Namen als Tuchfabrik sichern. Eine Vielzahl modischer Kunden aus Frankreich, England oder Italien mache dies möglich. Kunden wie Chanel erhalten dabei jährlich feinste Stoffe in modernen Schwarz-, Marineblau- und Grautönen. Auch eine Anfrage von der englischen Modedesignerin Vivienne Westwood sei erst kürzlich bei dem Unternehmen eingegangen. „Das hat mit dem Loden im herkömmlichen Sinne eher wenig zu tun.“
Aufgrund der immer stärkeren Nachfrage nach hochwertigen und vor allem natürlichen Stoffen, die aus nachhaltigen Fasern produziert werden, erweitert die Tuchfabrik Leichtfried auch seine Interior-Kollektion in den nächsten Monaten. Neben Nachhaltigkeit legt Leichtfried Loden auch einen hohen Wert auf das Tierwohl, weshalb seit 2020 ausschließlich Merinowollfasern verarbeitet werden, die ohne den Einsatz der bei Schafen schmerzhaften Mulesing-Methode gewonnen werden.

 

Bild 2010_ST_ST_Leichtfried-1#1.jpg

Die charakteristischen Lodenstoffe finden ihren Ursprung in der aus-tralischen Merinowolle.

© Thomas Luef

Bild 2010_ST_ST_Leichtfried-4.jpg

Die charakteristischen Lodenstoffe finden ihren Ursprung in der aus-tralischen Merinowolle.

© Thomas Luef

In die W(i)ege gelegt. Fragt man Josef Leichtfried nach seiner Inspiration für neue Kollektionen, so fällt die Antwort simpler aus als gedacht. Man erwarte sich vermutlich eine sehr komplexe Antwort, meint er. In der Realität besteht der Findungsprozess aber fast ausschließlich aus viel Gefühl und Hausverstand. Beinahe 40 Jahre Lebenszeit innerhalb einer alten Tuchmacher-Familie erweisen sich als wertvolle Entwicklungsphase für eine gewisse Stoff- und Farb-Affinität und den richtigen Geschäftssinn. „Wenn man von klein auf die Tischgespräche der Eltern mitverfolgt und direkt neben der Tuchfabrik aufwächst, entwickelt man automatisch eine Affinität und Leidenschaft für den Betrieb und die darin hergestellten Produkte.“
Einmal im Jahr werden die Hallen des großen Fabriklagers übrigens geräumt, um Platz für den Kollektionsabverkauf zu schaffen. Am 23. Oktober ist es wieder so weit. Produktionsüberhänge, Musterproduktionen oder Stoffe aus vorausgegangenen Kollektionen werden Privatkunden im Zuge des großen „Flohmarkts“ zu Großkundenpreisen angeboten. Das Detailgeschäft neben der Firma, das Kunden auch sonst für Anfertigungen nach Maß zur Verfügung steht, wird diesmal  auch während des Abverkaufs geöffnet haben. Eine kleine Neuerung, die unter Umständen schon an diesem Tag entsprechend bekanntgegeben werden könnte:  ein Webshop, mit dem voraussichtlich bis Anfang beziehungsweise Mitte November zu rechnen sein wird. „Wir haben beschlossen, die Zeit während Corona für dessen Entwicklung zu nutzen.“ Abrufbar werde dieser über www.leichtfried-loden.com sein.

 

 

Sonderverkauf bei Leichtfried Loden

Einmal im Jahr werden die Hallen des großen Fabriklagers von Leichtfried Loden bei Zeltweg geöffnet: Im Zuge eines einzigartigen Flohmarkts können Musterproduktionen und exklusive Stoffe aus vergangenen Kollektionen zu Großkundenpreisen erworben werden. Auch das Detailgeschäft, das für Maßanfertigungen zur Verfügung steht, wird dieses Mal geöffnet haben.

Pflichttermin für alle Liebhaberinnen und Liebhaber der charakteristischen Lodenstoffe:
23. Oktober, Leichtfried Loden, Möbersdorf 7, Zeltweg.

 

 

 

Bild 2010_ST_ST_Leichtfried-2#1.jpg
Unternehmensleitung Josef Maximilian Leichtfried. © Thomas Luef