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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 03.09.2018

Look into MY LIFE im September

Schön, dass wir uns immer wieder friedlich einigen!

Bild Uschi_Kolumne.jpg
© Stefan Joham

Bei meinen Eltern funktionierte das Leben als Paar noch solide: Sie gingen in der Früh auseinander, Papa ins Büro, Mama in ihr Geschäft. Am Abend sahen sie sich wieder, dazwischen hatten sie kaum Kontakt. Außer mein Bruder schlug sich die Vorderzähne aus oder ich musste zum Direktor, weil ich mir in der Religionsstunde die Nägel lackiert hatte. In derartigen Notfällen wurde das Festnetz-Telefon bemüht.

Heute tauschen sich Paare permanent über alles aus, z. B. ob zum Abendessen Reis, Gemüse oder Nudeln als Beilage adäquat sind, das bringt viel Gutes mit sich.

Und manchmal nervt es. Manchmal will man ganz alleine entscheiden, ob im Garten Riesen-Hibiskus, Zwergen-Clematis oder winterharter Storchschnabel (den ich übrigens sehr empfehlen kann) gepflanzt wird. Demokratie gut und schön, aber der Partner muss nicht überall seinen Senf dazugeben. Außer natürlich, der ANDERE pflanzt den winterharten Storchschnabel und fragt nicht. Dann spielt es Karamba.

Nicht gefragt werden hat etwas Kränkendes an sich, obwohl es für den, der nicht fragt, ja ganz bequem ist. Der will den anderen nicht kränken, sondern einfach seine Ruhe (Vermute ich halt. ICH frage ja. Meistens.) Nehmen wir als Beispiel unser Sommerhäuschen im Grünen. Dort steht ein großer, hölzerner Esstisch, um den sich bei Familienfesten die Sippe schart und glücklich in die dampfenden Schüsseln langt. Theoretisch zumindest. Über dem Tisch hängt seit vielen Jahren eine bedauernswert winzige Lampe, die bescheidenes Licht gibt. „Wir sollten eine neue Lampe besorgen“, bete ich wie ein Mantra seit Jahren immer, wenn wir das Haus betreten. Und dann nehmen wir uns das fest vor und dann kommt was dazwischen. Falls Sie es überlesen haben sollten: Die Betonung liegt auf „WIR sollten“.

Unlängst in unserer Hütte. Frisch angekommen, stellte ich die Einkaufssäcke auf den Holztisch, bereit, mein Mantra aufzusagen. WIR sollten. Dann blickte ich nach oben. Da hing eine neue Lampe. Frechheit. Mein Mantra war ruiniert.

„Was ist DAS?“, fragte ich kühl und zeigte mit spitzem Finger auf das unrechtmäßig ins Haus geschaffte Dingsda. Offenbar heimlich gekauft. Und heimlich montiert. Nett gemeint, möglicherweise. Um ehrlich zu sein, war das Dings, also die Lampe, gar nicht schlecht. Aber da ich vorher nicht gefragt wurde, gefiel sie mir null komma nicht. Mein Geschmack ist durchaus  gefühlsgesteuert.

Mein Mann reagierte ausgesprochen geistreich: „Was meinst du?“ Ich: „Ich meine, wo ist die Lampe her?“ Er: „Aus dem Lampengeschäft. Gefällt sie dir?“ Unheilvolle Pause. Wäre das eine Filmszene, würde draußen ein Schwarm kreischender Möwen vorbeifliegen. Komisch, dass Hitchcock nie das harmlose Montieren einer Esszimmerlampe als Horrorszene inszenierte. Ich: „Die ist schrecklich.“ Es folgte eine Szene, in der er sie als zänkisches Weib bezeichnete (also sinngemäß) und sie ihn als geschmacksbefreiten Ignoranten. Irgendwann spät in der Nacht montierte er fluchend die neue Lampe ab und die alte wieder an. Sie sah wohlwollend zu und kam zur bahnbrechenden Einsicht, jetzt ausnahmsweise lieber nichts zu sagen. Danach umarmte sie ihn und fragte: „Liebst du mich eigentlich sehr?“ Sie vermeinte, ein „Ja, sehr“ verstanden zu haben und war zufrieden. Und demnächst suchen wir zusammen eine richtig schöne Lampe aus.


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