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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 02.10.2017

look! into my life: Ich glaube an Schutzengel

Und manchmal weiß ich nicht mehr, was ich glauben soll …

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Ich bin der eher unberechenbare und spontane Typ. Das birgt Vorteile für alle, die mir etwas einreden oder ­verkaufen wollen. Einmal hat mir ­jemand 50 Kilo Hundefutter verkauft, obwohl ich zu der Zeit keinen Hund hatte. Redet mir nur lange genug ein, dass beispielsweise Zwerghamster gut fürs persönliche Feng-Shui sind, und ich überlege noch in der gleichen Minute, eine Zwerghamster-Zucht aufzuziehen.


Ihr merkt vielleicht: Ich hab’s ein wenig mit dem Spirituellen. Bin felsenfest davon überzeugt, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir mit bloßem Auge nicht sehen und mit unserem verkümmerten, kleinen  Menschenverstand nicht begreifen können. Leute wie ich, die an, naja, Schutzengel und so etwas Ähnliches glauben, ziehen natürlich jede Menge Idioten an. Ich sag’s, wie es ist. Mir rennen die Quacksalber herdenweise über den Weg, weil ich offenbar signalisiere, dass ich suche. Wonach, ist mir selbst nicht ganz klar, aber es muss wohl mit Erleuchtung zu tun haben.


Da bei mir alles zickezacke gehen muss, bin ich ein Fan der schnellen Erleuchtung. Weiters bin ich ein Anhänger von Not-Erleuchtungen. Wann immer ich in Notsituationen gerate, z. B. in einem dunklen Parkhaus mein Auto nicht mehr finde oder zehn Minuten, nachdem ein Kundentermin begonnen hat, noch immer wie eine Geistes­gestörte auf Parkplatzsuche um den Block fahre, rufe ich meine Lichtwesen an. Mental, selbstverständlich. Wobei: Es wäre eine brillante Geschäftsidee, für Not-Erleuchtungs-Opfer wie mich eine Schutzengel-Hotline einzurichten.


Zum Beispiel Hotline 777. Dreimal die Wolke 7, originell, oder? Ich, hektisch 777 ins iPhone klopfend und gleichzeitig brüllend: „Hallo, Schutzengel! PARKPLATZ  BITTE! (Am ­anderen Ende hört man hektisches Geraschel. Der Schutzengel bemüht sich offenbar.) Und plötzlich fährt genau vor mir ein Lastwagen aus einer Parklücke, sodass ich ungehindert auf einen ausgiebigen Parkplatz gleite … Wäre auch bereit, eine kleine Gebühr für derlei Dienste zu bezahlen. Na, hab ich Ihnen zu viel versprochen? Falls jemand von euch Erleuchtungs-Experte ist: Hier ist euer Opfer, das sich fürs Abzocken auch noch bedankt.


Neulich in einem Einkaufszentrum steuerte eine Frau auf mich zu. „Wollen Zukunft wissen? Aura lesen? Kostet, was du gerne gibst!“

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© iStock by Getty Images

Wonach ich suche, ist mir nicht ganz klar. Hat aber mit Erleuchtung zu tun.

Sowas muss man mich nicht zweimal fragen! Ich schickte meinen Sohn hurtig ins nächste Sportfachgeschäft, man muss sich den Kindern gegenüber nicht jeder Peinlichkeit aussetzen. Dann steuerten wir eine Sitzgelegenheit an, um meine Verbindung zum Transzendenten auszubauen.


Die Aura-Leserin schloss die Augen. Und sah mich durchdringend an. Dann schloss sie die Augen. Und sah mich wieder an. Dann sagte sie: „Gelb. Sehe viel Gelb in Aura.“
„Gelb oder Geld?“ fragte ich. „Gelb, Farbe Gelb!“, sagte die Frau. „Gelb  nicht gut.“ Sie wiegte sorgenvoll das Haupt. „Gelb macht große Problem!“ Sie zeichnete mit ihren Armen einen Kreis, um auf die Größe der zu erwartenden Probleme hinzuweisen.


Mein Vorsatz, mich spirituell weiterzubilden, schlug in Enttäuschung um. Ich brach die Sitzung ab und holte meinen Sohn vom Sportgeschäft ab. Der hatte sich gerade superleichte Fußballschuhe ausgesucht, zu einem ultra-uncoolen Preis. Ob Sie’s glauben oder nicht, in der Farbe … Bingo!


Gelb macht Problem. Falls Sie Ihre Zukunft deuten wollen, fragen Sie also bitte einfach meine Aura. Kostet nur eine Kleinigkeit …

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