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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 19.02.2019

Adieu, Karl Lagerfeld

Einer wie er bleibt immer, auch wenn er nicht mehr da ist.

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look! Herausgeberin Uschi Fellner mit Mode-Zar Karl Lagerfeld.

Dienstag früh. Ich packe meine Handtasche um, wie tausende Male davor. Das ganze Zeug, von einer Tasche raus, in die nächste rein. Meine Dienstags-Tasche ist von Chanel, obwohl ich eigentlich an diesem Tag drei wichtige Business-Termine habe. Zu Business-Terminen gehe ich normalerweise nie mit Chanel.

An diesem Dienstag, an dem ich – keine Ahnung warum – mit meiner Chanel-Tasche ins Büro komme, melden die ersten online Dienste gegen 11 Uhr Vormittag Lagerfelds Tod.

Wochen davor fehlte er bei der Chanel-Couture Show in Paris, zum ersten Mal seit 36 Jahren. Damals, 1983, hatte ihm Chanel-Besitzer Alain Wertheimer mit den Worten „machen Sie bei Chanel, was Sie wollen“ eine Carte Blanche überreicht. Bei Chanel liefen die Geschäfte nicht gut. Lagerfeld, Sohn eines Kondensmilch-Fabrikanten aus Hamburg, übernahm die kreative Leitung der bekanntesten Modemarke des 20. Jahrhunderts. Führte das Haus in die Zukunft, machte Chanel zur weltweit begehrtesten Brand.

Sechs oder sieben Mal in meiner Journalistinnen- und späteren Verlegerinnen-Laufbahn habe ich ihn getroffen, jedes Mal war er aufgeräumt und wirkte interessiert. Wer ihn kannte, stellte ihm die richtigen Fragen und niemals hätte ich mit ihm über´s Wetter oder seine Tagesverfassung geredet. Die Floskel „Wie geht´s Ihnen?“ mochte er nicht leiden, weil er der Meinung war, dass sowas keinen etwas angeht.

Also war es besser, mit ihm gleich in die Vollen zu gehen. „Herr Lagerfeld, wie beurteilen Sie die gestrigen Rede von Angela Merkel?“ Und immer habe ich mich gefragt, wie ein Mensch, der 16 Stunden am Tag vor seinen Skizzenblöcken zubringt, so aktuell und blendend  informiert sein kann.

Kein Interviewpartner, den ich je getroffen habe, war so schnell im Kopf wie Lagerfeld. Wer als sein Gegenüber nicht blitzschnell reagierte, wurde ihm langweilig. Nach den Gesprächen mit ihm war mir schwindelig, so sehr musste ich mich konzentrieren. Ansatzlos wechselte er von Deutsch auf Französisch, dazwischen Englisch, und wieder Deutsch. Und immer alles druckreif.

Einmal fragte ich ihn, warum er eigentlich so blitzschnell redet. Ganz schön kühn, doch es amüsierte ihn. Seine Mutter, sagte Lagerfeld, hätte ihn dazu animiert: „Sprich schnell, damit ich mir den Unsinn, den du mir erzählst, nicht so lange anhören muss“.

Die Geschichte, dass seine Dienstboten-Verwöhnte Mutter das schmutzige Geschirr nach Abendessen, bei denen kein Personal zugange war, einfach im Mülleimer entsorgte, hat er mir bestätigt. Verständlich, dass der Sohn von Madame nicht zur Bescheidenheit im Leben neigt.

„Warum kommen Sie eigentlich nie zum Wiener Opernball, Herr Lagerfeld“, habe ich ihn bei unserer letzten Begegnung, in Salzburg vor vier Jahren, gefragt.

„Solche Einladungen nehme ich prinzipiell nicht an“, sagte er, „und außerdem habt ihr doch euren Baumeister, der passt viel besser auf den Opernball als ich.

An ein Leben nach dem Tod glaubte er übrigens nicht, auch das habe ich ihn einmal gefragt. „Schluss ist Schluss und das ist gut so“. 


Ungern widerspreche ich dem Kaiser, aber darin hat er sich geirrt. Einer wie er bleibt immer, auch wenn er nicht mehr da ist.
Das hat er mit Coco Chanel, der Gründerin der Marke, die er in die Zukunft führte, wohl gemeinsam. Und mit jeder Tasche von Chanel, die ja auch für die Ewigkeit ist.