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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 14.05.2020

Look into my life

"Arbeiten im Homeoffice, mit Schatzi im Nacken, ist so gut wie unmöglich. Ausser man liebt großes Kino."

Mein Gott, in China sind die Scheidungen seit Corona explodiert, die spinnen die Chinesen. Dachte ich Mitte März, als es dort coronamäßig eher zu Ende und bei uns gerade richtig los ging. Keine Sorge! Zwischen Schatzi und mir ist alles stabil. Dennoch möchte ich nicht verhehlen, dass die auferlegte Homeoffice-Heimquarantäne paartechnische Herausforderungen birgt. Oder barg. Oder bergen wird, man weiß ja nicht, was noch kommt.

Nehmen wir ein harmloses Thema wie z. B. das Zoomen. Sie wissen schon, digital-geselliges Beisammensein in Form von Business-Konferenzen vor dem Bildschirm. Ich selbst war es, die Schatzi selbstlos auf die Möglichkeiten der kontaktlosen Geschäftssitzungen aufmerksam machte. Denn während ich ganze Vormittage lang zoomte, telefonierte mein Mann – weithin unüberhörbar – vor, neben und besonders gerne hinter mir. Letzteres mit fröhlichem Gewinke in die Kamera.

Ich hätte natürlich entschuldigend die Schultern hochziehen und „Sorry, mein Kleiner ist durch den Schulentzug hyperaktiv geworden“ murmeln können, so wie meine bedauernswerten Kolleginnen, deren geliebte Brut tagaus, tagein um den Laptop tanzte.

Stattdessen installierte ich auf Schatzis Gerät ein Videokonferenz-Programm. Wies ihn in die Grundregeln der digitalen Unterhaltung ein. Und rechnete mit allem, nur nicht damit,dass er künftig seine Videotalks in anhänglicher Ein-Meter-Distanz zu mir abhalten würde. Mein Unmut äußerte sich in gesteigerter Tonlage meinen eigenen GesprächspartnerInnen gegenüber. Ich brüllte die armen Leute, die mir aus dem Bildschirm fassungslos ob des gebotenen Schauspiels entgegen starrten, ungeduldig an: „DAS GEQUATSCHE DA IM HINTERGRUND IST NUR MEIN MANN! BITTE IGNORIEREN UND SELBST LAUTER SPRECHEN!“

Schatzi wiederum, der sich nicht erklären kann, warum seine Frau zum Videokonferieren nicht einfach den nächstbesten Misthaufen besteigt, sondern tückisch das Wohnzimmer okkupiert, löste die Situation SEINEN Gesprächspartnern gegenüber weltmännisch: „Das da im Hintergrund ist nur meine Frau, bitte nicht beachten, sie ist eh gleich fertig ...“

Om! Bis zum Abend hatten wir in der Regel ausdiskutiert, wer wen und weshalb mit seinen Quasseleien gestört, belästigt und am eigentlichen Arbeiten gehindert hat.

Um es kurz zu fassen: Arbeiten im Homeoffice mit Schatzi im Nacken war und ist so gut wie unmöglich, außer man liebt großes Kino. Er tigert in Camouflage-Leggings, armfreien Body-Shirts und mit Nahrung aller Art in Händen durch den videobeobachteten Luftraum und stellt essenzielle Fragen zur Lage der Nation: „Was essen wir heute?“ „Wo ist meine Radlerhose?“ „Ich hab‘ Fieber, kannst du mir kurz auf die Stirn greifen?“

Diese ist angenehm kühl, wie immer. Und ich herzlose Assel sehne in solchen Momenten einen der beiden Sätze herbei, die mich in meinem Homeoffice-Dasein durchatmen lassen: 1.) „Ich geh jetzt eine Runde mit den Hunden!“ (Yesss!) 2.) „Ich leg‘ mich hin, glaube, ich bin krank ...“ (Ohhh!)

Falls das befürchtete Siechtum bei Schatzi wie üblich einen milden Verlauf nimmt, rafft er sich gegen Abend dann aber doch von der Bettstatt auf, um möglichen Viren durch tüchtige Unterfütterung Einhalt zu gebieten.

Die Lage entspannt sich zusehends. Doch bevor Sie jetzt aufatmen und denken „Na, endlich!“: EINEN Knackpunkt gilt es noch zu überwinden, bevor wir ermattet von den Mühen der Corona-Paarsamkeit auf unsere Lager sinken.

Wir spielen in letzter Zeit mit den Kindern „Stadt-Land-Fluss“. So richtig, mit „Wer sagt A?“ und „Wer sagt „Halt?“ Bei „Stadt mit G“ hatten die Kinder„Graz“, ich „Gelsenkirchen“ (gut, nicht?) und Schatzi hatte „Guatemala“. „Das ist ein Land!“, rief ich empört, „das ist auch eine Stadt“, meinte Schatzi. „Aber das gilt nicht!“, rief ich.

Null Punkte oder 20 Punkte, das ist die Frage, die wir bis übermorgen hoffentlich ausdiskutiert haben werden.

IHRE HERAUSGEBERIN,  

Bild uschi signature.bmp

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