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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 04.12.2018

Kolumne by Uschi Fellner: look! into my life

Zu Weihnachten sind wir 30 Leute. Mit unterschiedlichen Geschmäckern.

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© iStock by Getty Images

Lasst mich unromantisch beginnen. Zu Weihnachten fliegen in vielen Familien die Fetzen. Das wisst ihr vermutlich, genauso wie ich, nur vom Hörensagen. Ich persönlich meide jede Form von weihnachtlichen Auseinandersetzungen. Scheue allerdings die Diskussion nicht. Man könnte sagen, ich bin zu Weihnachten durchaus diskussionsfreudig.
Unsere frohe Patchworkfamilie zählt 30 Personen zum engeren Kreis. Schon Wochen vor dem Fest sorgt das Festmahl bei 26 der 30 Personen für angeregten Gesprächsstoff. Vier Personen tragen Schnuller und Windeln, freue mich jetzt schon auf den Tag, an dem sie endlich mitdiskutieren.

Sechs von sechsundzwanzig sind für Fondue. Sechs sind für Kalte Platte. Fünf sind für Fisch, einer dagegen, weil er als Kind an einer Gräte fast erstickte. Die windelfreie Jugend unter 18 ist für „egal“, sehr sympathisch übrigens.
Weitere vier Personen sind für Wiener Schnitzel mit drei Beilagen. Einer ist für Käseplatte und mit seinem traurigen Geschmack wie immer alleine.

Mein Mann unterstützt mich bei der Essens-Diskussion relativ einzigartig. Er ist traditionell bis zum 22. Dezember für „Einfache Würstelsuppe! Wir müssen nicht immer so ein Theater machen!“, und ab dem 23. 12., ­circa neun Uhr früh, für „Am besten, wir bieten einfach alles an! Jeder soll sich willkommen fühlen.“
Die durchaus entspannte Art, in der mein Mann 12 Stunden vor dem Fest von „einfacher Würstelsuppe“ zu „Alles!“ schwenkt, lässt mich jedes Jahr aufs Neue nachdenklich werden.

Ich denke, weiß auch nicht warum, an den grottenschlechten Thriller „Die Frau mit der Sichel“, den ich mangels Alternativen anno dazumal auf einer Urlaubsinsel las. Die „Frau mit der ­Sichel“ wirkte äußerlich ganz ruhig.
Gaaanz ruhig. Und dann. Eines Tages. Als jemand sie bescheuert ansprach. Und es gewiss nicht böse meinte. DA HOLTE SIE DIE MESSERSCHARFE SICHEL UNTERM BETT HERVOR UND … nun, lassen wir das. Es geht hier um einfache ­Würstelsuppe bzw. um alles. Jedenfalls um Essen. Wegen Essen streitet man sich nicht.
Was es zu Weihnachten geben wird, weiß ohnehin nur ICH, DIE FRAU MIT DER SICHEL … sorry, für den geschmacklosen Scherz.

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© Stefan Joham

Nur so viel: Da ich ein Herz für Minderheiten habe, kann es sein, dass heuer zur Abwechslung einmal eine Mischung aus „egal“ und Käseplatte auf den Tisch kommt. BASTA.

Diskutiert wird bei uns übrigens auch gerne der Zeitpunkt der Bescherung. In anderen Familien werden Kinder in der satten Gewissheit geboren: Um 16 oder 17 Uhr ist traditionell Bescherung. Wir sind da flexibler. Wir bescheren, wann es sich ergibt, was zur Folge hat, dass die Kinder gegen 23 Uhr ermattet über ihren Paketen eindösen, während der Käseplatten-Fan in der Küche das letzte Schnitzel aufmampft und der, der als Kind an einer Gräte fast erstickte, mit den noch wachen Kindern „ersticken“ spielt. Worauf alle im Chor lustig röcheln.

Sicher ist bei uns zu Weihnachten eigentlich nur, dass sich der Etikette-­Papst Herr Elmayer (falls er eingeladen wäre) schnell und indigniert empfehlen würde. Frohes Fest!