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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 08.06.2020

Corona wirkt noch nach. Nervlich und so.

"WIR HABEN DEN EINEN ODER ANDEREN SPASSVOGEL IN DER FAMILIE. RICHTIG LUSTIG BEI UNS, SAG ICH IHNEN!"

Also: Die Corona-Home-Office-bedingte familiäre Nähe der vergangenen Wochen hat dünnhäutig gemacht. Wir haben unsere Partner, unsere Kinder, unser Haustiere, Internet-Verbindungen und Handy-Kontakte öfter und länger genießen dürfen als üblich.

Dadurch wurde Widersprüchliches ausgelöst, zumindest bei mir. Einerseits bin ich gelassener (Staub soll bis zu einem gewissen Maß sogar gesund sein, hab ich irgendwo im Internet gelesen), andererseits neige ich zu unangemessenen Reaktionen.

Ich kann kaum beschreiben, was in mir vorgeht, wenn ich den Geschirrspüler öffne und feststellen muss: Er hat mich hintergangen. Heimtückisch, in voller Absicht. Anstatt zu spülen, hat das Gerät die Essensreste einer Großfamilie zu Pampe vermantscht, großzügig auf dem Geschirr verteilt und im Trockengang sorgsam gehärtet.

Ist es eigentlich normal, dass man sich von seinem Geschirrspüler persönlich verraten fühlt, ihn anschreit, mit dem Fuß auf die Spüler-Außenplatte eintritt und – hätte man ein Messer in der Hand – skrupellos auf ihn einstechen würde? Ich frage für eine Freundin.

Dabei bin ich von stabilem Gemüt ("Naja", würde mein Mann sagen). Aber Sonder-Situationen in einer "Eh-schon-Sondersituation" regen mich, zumindest einen Wimpernschlag lang, auf. 

Wir haben, zum Beispiel, den einen oder anderen Spaßvogel in der Familie. Der Spaßvogel, den ich jetzt meine, nahm irgendwann während der Lock-down-Phase mein Handy und tippselte, betont gelangweilt, herum. Dann gab er mir das Ding mit den Worten zurück: „Witzig! Schau einmal auf dein Handy!“

Ich schaute auf mein Handy. Es zeigte, wie immer, das Profilbild meines damals sechsjährigen jüngsten Sohnes, der auf einen Baum klettert. Darunter waren chinesische Schriftzeichen zu erkennen. „Lustig“, sagte ich zum Spaßvogel. „Kann mein Handy jetzt Chinesisch?“

Der Spaßvogel spaßvogelte, dass er mein Handy soeben auf Chinesisch umgestellt hätte, was per Sprachauswahl-Funktion ganz einfach möglich sei. Alle Texte, die ich künftig via Handy erhalten würde, seien demnach Chinesisch. Hahaha! Unfassbar lustig. „Gilt das auch für meine Mails?“, fragte ich mit leicht belegter Stimme. „Klar“, sagte der Spaßvogel, „alles Chinesisch, bis es wieder umgestellt wird.“

„Stell es um“, sagte ich. „Gleich“, sagte der Spaßvogel. Nicht, dass Sie jetzt denken, ich sei mit meinem Handy ungewöhnlich eng verwachsen. Wir pflegen eine normale, wenn auch arbeitsintensive Beziehung. Ich schätze die Verlässlichkeit meines Handys enorm, es ist da, wenn ich es brauche. Ob es Chinesisch spricht, ist mir blunzenegal. Weil: Ich kann kein Chinesisch. Niemand, den ich kenne, kann Chinesisch. Außerdem, ich könnte ihn nicht anrufen, weil ich seinen Namen auf Chinesisch in meinem Handy nicht finde.

Ich zwang den Spaßvogel unter Andeutung einer knapp bevorstehenden hysterischen Ausflippung, mein Handy SOFORT zu Anti-Chinesisieren. Dann drehte ich eine Runde mit dem Hund, um mich abzuregen. Wollte eine Freundin anrufen, ging nicht, mein Chinesen-Handy war daheim und wurde ja jetzt umgestellt, Kinder, mir ist eh schon alles wurscht. Macht was ihr wollt!

Als ich heim kam, sprach mein Handy wieder Deutsch. „War doch nur Spaß“, sagte der Spaßvogel und rollte die Augen. „Hast du echt geglaubt, dass dein Handy nur noch Chinesisch spricht?“

NÖ! ICH DOCH NICHT! BIN FÜR SOLCHE IDIOTEN-TRICKS NULL ANFÄLLIG.

Und falls ihr nächstes Mal ein Opfer braucht: Es ginge auch leichter. Sagt einfach, der Staubsauger ist eingegangen und es gibt weltweit einen Sauger-Engpass für die nächsten Jahre. Die Chancen stehen gut, dass ihr am nächsten Tag die Meldung lest: „Verwirrte Frau allein mit ihrem Hund im Wald entdeckt. Nach Angaben der Polizei war sie auf der Suche nach einem funktionierenden Staubsauger, der Chi- nesisch spricht.“

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