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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 04.12.2018

Eine schöne Bescherung!

„Das Kleid für deinen ersten Ball muss ein besonderes sein, da müssen wir nach Deutschland“, sagte meine Mutter, die immer ein großes Faible für außergewöhnliche Modelle hatte, welche sie in Salzburg kaum fand. Also ab in die damalige „Modemetropole“ München, wo die Suche nach einem Debütantinnenkleid auch nicht leichter war.

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Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2019! – wünschen Euch Chefredakteurin Angelica Pral-Haidbauer, Herausgeber Josef Rumer und Redakteurin Viktória Kery-Erdélyi

Die Wahl fiel schließlich auf ein hochgeschlossenes Kleid mit Trompetenärmeln, großzügig mit Marabufedern verbrämt. Also: Eisprinzessin. Glücklich war ich nicht, aber es war immerhin noch das „Außergewöhnlichste“, was wir finden konnten. Geändert musste es noch werden, denn es hatte eine Schleppe. Kein Wunder, war es doch wahrscheinlich für eine Winterhochzeit im Hochgebirge gedacht. Und: abzuholen im Dezember, denn schließlich sollte es ja unter den Weihnachtsbaum. Auf dem Weg nach Hause hielt meine Mutter noch bei einem Salzburger Modehaus. Feine, warme Socken brauchte sie noch. Und da – als würde mein Blick magnetisch angezogen – glitzerte ganz hinten an der Wand mein stoffgewordener Wunsch­traum. Aus Spitze und Chiffon, wunderschön mit Perlen und Pailletten bestickt, meterweiter Tüll im Unterrock. „Wir haben zwar schon ein Kleid für dich, aber probieren kannst du es ja – nur so“, meinte Mama. Diesmal: wirklich Prinzessin. 

Meine Vorfreude auf Weihnachten hielt sich also in jenem Jahr in Grenzen. In jeder Tanzstunde dachte ich an dieses Traumkleid, das mir so gut passte und ich nie haben würde. Vielmehr sah ich mich in dickem Stoff mit weißen Federn schweißgebadet im Dreivierteltakt herumdrehend.

Am Heiligen Abend durften wir wie immer als erstes die Geschenke unserer Wiener Tanten öffnen. Beide waren ledig, gehörten Zeit ihres Lebens zum Inventar des Burgtheaters und hatten überdies einen ausgeprägten Sinn für nützliche Dinge, besser gesagt, für unsere Aussteuer. Diesmal – nach Jahren gravierter Löffel und monogrammbestickter Tafelwäsche – war mein Packerl richtig voluminös.  Eine Steppdecke. Ich legte sie gleich zur Seite. „Breite sie doch aus!“, drängten meine Eltern. Warum nur?! Weil, eingehüllt in warme Daunen, hier mein Traumkleid aus Spitze und Chiffon lag. Freudentränen, Dankbarkeit. Wie ich meine Eltern und auch die Tanten liebte! Ob irgendwo noch immer ein Gutschein für ein Eisprinzessinnen-Modell aus München herumliegt, blieb bis heute das Geheimnis der besten aller Mütter.

Liebe Leserinnen und Leser, in meinem kleinen, persönlichen Weihnachtswunder von damals finden sich auch die Themen unseres Dezember/Jänner-Doppelheftes wieder: Ballroben für Euren großen Auftritt und viele Tipps rund um Euer schönstes Weihnachtsfest. Ob maßgefertigte Couture der Designerin Elisa Malec oder Modelle aus den Modegeschäften, eines ist sicher: Ihr findet Euer Traumkleid in Niederösterreich. Nicht zuletzt aber widmen wir uns einer ganz wunderbaren Frau, die bei unseren „Women of the Year“-Awards im Wiener Rathaus mit dem Preis „Woman for Generations“ geehrt wurde: unser Wachauer „Mariandl“ Waltraut Haas. Apropos Wachau – einen etwas anderen Blick auf dieses Kleinod wirft Viktória Kery-Erdélyi in ihrem Interview mit der Filmemacherin Anita Lackenberger zur brandneuen Wachausaga. 

Herzlichst, 

Eure Angelica Pral-Haidbauer,

Chefredakteurin