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Beauty | 08.02.2017

Pflanzenpower für Haut und Haar

Von der Steiermark aus erobern sie die Welt: So kamen Pioniere wie Luise Köfer, Gründerin von Vinoble Cosmetics, zur Naturkosmetik.

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© Shutterstock

STEIRERIN: Sie haben eine Spa-Kosmetiklinie mit Wirkstoffen aus dem Rebstock kreiert. Wie kam es dazu?
Luise Köfer: Ich bin damals mit einer Chemikerin auf der Terrasse im Weinhof Kappel in Kitzeck gesessen. Unser Blick ist auf die Schubkarren voller Trester gefallen. Wir fanden es schade, dass die Traubenkerne nach dem Pressen zum Abfallprodukt werden und haben über die wertvollen Wirkstoffe gesprochen. Das war die Initialzündung.

Welchen beruflichen Background hatten Sie da?
Kosmetik hat mich immer fasziniert. Auf Wunsch meiner Eltern absolvierte ich zuerst eine Ausbildung für das medizinische Labor. In der Babypause mit meinem Sohn habe ich die Meisterprüfung in Kosmetik, Massage und Fußpflege nachgeholt. 1996 hat mein Beauty Vital Haus Köfer in Leibnitz als erstes Day Spa Österreichs eröffnet. Was mir fehlte, waren Spa-Produkte frei von Stoffen wie Parabenen und Paraffinen. Das hat mich massiv beschäftigt.

Sie haben kurzerhand begonnen, eigene Cremes und Öle zu entwickeln?
Ja, mit einer Expertengruppe. Die ersten Erfahrungen waren ein Horror. Ich habe Produkte im Werte von Tausenden Euro weggeworfen. Das hochwertige Traubenkernöl hat sich mit vielen Cremetiegeln nicht vertragen. Mit Glasgefäßen hat es gut funktioniert. 2005 habe ich die Marke Vi­noble Cosmetics auf den Markt gebracht, die Manufaktur in Fresing gibt es seit 2013. Heute beliefern wir in acht europäischen Ländern erstklassige Hotels. Jetzt folgt Russland. Weitere exklusive Luxusressorts haben wir im Blick.

Welche Wirkstoffe setzen Sie ein?
Wir verwenden aus den Schalen der Traubenkerne das Antixodans OPC. Der Anti-Aging-Wirkstoff Resveratrol kommt in roten Trauben hoch konzentriert vor. Viniferin stammt aus dem Weinspross und regt den Fettabbau in den Zellen an. Die Stammzellen stammen aus Trauben aus dem Burgund. Wir haben 82 eigene Rezepturen.

Was inspiriert Sie zu neuen Kreationen?
Wir haben die Vinotheraphie gerade neu aufgestellt. Unser Expertenteam hat zwei Jahre daran gearbeitet und alte Rezepte in Klosterbibliotheken recherchiert. Wir haben ein „Faszien-Tool“ aus Birnenholz entwickelt und bieten zur Vinotherapie jetzt eine eigens entwickelte Faszien-Massage an. Das neue therapeutische Traubenkernöl enthält Lavendel, Ackerstiefmütterchen und Damaszenerrose aus regionalem Anbau.

Vinoble Cosmetics
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Luise Köfer hat in Fresing seit 2013 eine eigene Manufaktur. © beigestellt
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Wirkstoff aus südsteirischen Weinreben: Bei Vinoble Cosmetics setzt man auf den Traubenkern als Basis. © beigestellt

Love-Story. Eine Liebesgeschichte hat Jörg Tinnacher in seine Tiegelchen und Fläschchen verpackt. Pate standen Kaiser Franz Joseph und seine Frau Elisabeth. Die junge, vegane und tierversuchsfreie Hautpflegeserie „Sisi and Joe“ gibt es seit dem Vorjahr. Der Grazer Marketingfachmann wollte ein betont österreichisches Produkt entwickeln. Bei einer Wanderung ist er gewissermaßen über die Quintessenz seiner Marke gestolpert. Das Edelweiß entpuppte sich als Goldgriff: Es enthält mehr als 100 Inhalts- und Wirkstoffe, 40 davon tun unserer Haut gut. Bereits 2010 kam die konventionelle Anti-Aging-Serie „Edition Edelweiß“ auf den Markt, Asien hat er mit beiden Linien fest im Blick. Die in freier Natur streng geschützte Alpenblume wird in Schweizer Alpengärten gezüchtet. Versuche in steirischen Naturparks im Vorjahr haben „vielversprechende Ergebnisse in der Region Mürzzuschlag gebracht. Die Pflanze braucht karge, karstige Böden, um die Wirkstoffe zu entwickeln“. Für 300 Milliliter „Sisi and Joe“ braucht es vier Kilogramm Edelweiß. Serien für Outdoor, Kinder und Sonnenschutz sind bereits in Planung.

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Sisi and Joe. Hautpflege mit Edelweiß, erdacht von Jörg Tinnacher. @ beigestellt
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Sisi and Joe. Hautpflege mit Edelweiß, erdacht von Jörg Tinnacher. @ www.spekner.com

Aromatherapie. Hannes Trummer hat Jus studiert und die Meisterschule für Malerei in Graz absolviert. Die Auseinandersetzung mit der Feldenkrais-Methode, die bei der Körper­arbeit in kleinen Bewegungen große Wirkung sieht, fügte sich in sein persönliches Credo „Weniger ist mehr“. Reduktion auf das Wesentliche in Inhalt und Design lautet auch das Programm seiner „Less is more“-Linie. Das kam so: Für das Stylingbusiness begann sich Trummer durch seine Schwester Sabine, die damals als Make-up-Artistin in der Filmindustrie arbeitete, zu interessieren. Nach Jahren als Hairstylist machte der Steirer 2005 einen Salon in Wien auf. Gemeinsam mit der Chemikerin und Aromatherapeutin Doris Brandhuber entstand im Urlaub in Kroatien, umhüllt von duftenden Wiesenblumen und Wildkräutern, die Idee zur Naturkosmetik für die Haare. „Ich habe davor mit konventionellen Produkten gearbeitet. Gerade die Unwissenheit hat uns beschäftigt“, spricht er etwa das Faktum an, dass Haarshampoos Betäubungsmittel enthalten können, damit sie nicht in den Augen brennen. Im Hinterzimmer wurde eifrig getüftelt, Brandhuber verzichtete auf ein Forschungsstipendium für Yale. Shampoos und Pflegeprodukte fanden Anklang, mittlerweile ist die Bio-zertifizierte „Less is more“-Palette in 350 Stores vertreten. „Die ätherischen Öle sind ein zusätzlicher Benefit, sie wirken positiv auf die Psyche“, so Trummer.

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Less is more. Aromatherapie fürs Haar von Hannes Trummer und Doris Brandhuber. @ beigestellt
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Less is more. Aromatherapie fürs Haar von Hannes Trummer und Doris Brandhuber. @ beigestellt

Zahnfee. Im Fall von Andreas Wilfinger und Ulla Wannemacher war die Zahnpasta schuld, die der Sohn von der Zahnputzfee aus dem Kindergarten mitbrachte: „Die Inhaltsstoffe haben mich erschüttert. Die hatten im Mund eines Kleinkindes nichts verloren.“ Als Autodidakten haben der BWL-Student und seine Partnerin vor mehr als 20 Jahren zu forschen begonnen und Marktchancen für Kosmetika ohne Konservierungsstoffe und Mineralöle gewittert. Ringana wurde 1996 in Hartberg gegründet. Die Finanzierung war schwierig, die Bank rief ständig an, die Umsätze blieben aus, im Handel gelistet zu werden, war aufgrund der nur sechsmonatigen Haltbarkeit der Produkte unmöglich. „Bestimmt war es auch ­jugendliche Naivität, dass wir an der Idee festgehalten haben“, so Wilfinger. Als Kunden begannen, Kreationen weiterzuempfehlen, war eine Vertriebsstruktur gefunden. Inzwischen hält man bei 40 Millionen Euro Jahres­umsatz, das Frischewerk in Hartberg wird gerade auf die doppelte Größe ausgebaut, Rohstoffe werden sofort zu 50 Produkten verarbeitet. Größte Herausforderung bleibt die kurze Haltbarkeit. „Die hochwertigen Öle werden mit der Zeit einfach ranzig.“ Mit dem Frischeargument hat man aus der Not eine Tugend gemacht.

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Ringana. Andreas Wilfinger und Ulla Wannemacher lassen in Hartberg frische Rohstoffe sofort zu 50 verschiedenen Produkten verarbeiten. © FOTO KOHLMEIER
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Ringana. Andreas Wilfinger und Ulla Wannemacher lassen in Hartberg frische Rohstoffe sofort zu 50 verschiedenen Produkten verarbeiten. © Hasselblad H5D
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Ringana. Andreas Wilfinger und Ulla Wannemacher lassen in Hartberg frische Rohstoffe sofort zu 50 verschiedenen Produkten verarbeiten. © beigestellt